Erdogans Türkei = zwei Klassengesellschaft

Wer auf dem Weg zu des Führers Feier ist, fährt umsonst

Wer auf dem Weg zu des Führers Feier ist, fährt umsonst

Die US-Amerikaner haben es vorgemacht, in der Zeit der Rassentrennung mussten dunkelhäutige Menschen im Bus hinten sitzen, weiße durften teils sogar umsonst fahren. Erdogan fährt wohl die gleiche Schiene, fehlt nur noch die Rassentrennung. Lesen sie weiter…

Erdogans Fortschrittspartei (so nennt sich der elitäre Bauernclub) machte bevor sie 2003 an die Macht kam Werbung dafür, dass sie für Gerechtigkeit sein wird. Was daraus geworden ist, sehen wir. Aber auch während der Amtszeit bis heute schmiert sich die Partei und allem voran die oberen Herren der Partei, darunter Erdogan, regelmäßig Honig um den eigenen Mund, loben sich selbst. Diese Selbstverliebtheit sagt das gleiche aus, wie vor den Wahlen. Alles sei besser, alles sei gerechter.

Doch wie es die AKP mit der Gerechtigkeit walten lässt sehen wir wenn die Partei eigene Wahlkampfveranstaltungen austrägt. Zum Beispiel vor kurzem in Adana. Dass die AKP regelmäßig aus anderen Städten oder Regionen (wie der politische Ableger der PKK) seine eigene Anhängerschafft ankarrt, damit Erdogans Medien einen fulminanten Propagandaauftritt inszenieren kann, ist nichts neues. Neu ist auch nicht, dass die Anhänger Geld für die Fahrt erhalten oder Gebäck für die Reise erhalten. Solche Vorgänge sind überall auf der Welt normal.

Neu ist aber (nicht weil es jetzt rauskam), dass in der Türkei eine Klassengesellschaft herrscht. Nämlich die, die der AKP angehören und alle anderen, die es nicht tun. Die öffentlichen Busunternehmen der jeweiligen Städte (Belediye Otobüsleri) sind alle fest in Erdogans Hand, wie übrigens irgendwie alles, was so ein bischen nach Staat riecht. Was in einer Demokratie undenkbar ist, setzt Erdogan nach seiner Art von Gerechtigkeit natürlich sofort um. Für das Meeting in Adana durften Menschen, die auf dem Weg dort hin waren, mit den Linienbussen der Stadt umsonst mitfahren, während andere Gäste zahlen mussten. Das heißt also, wenn zwei Personen in einem Stadtteil einsteigen und derjenige, der zu Erdogans Propagandamüll fahren möchte, nichts zahlt, muss derjenige, der dort nicht hinfährt und z.B. einkaufen möchte und sogar eine Station früher aussteigen würde als der Erdogananhänger, dann müsste er dafür bezahlen. Kapiert?

Wo kommen wir da eigentlich hin aber es geht ja noch weiter! Während also Tausende Anhänger auf dem Platz ihren Führer zuhörten und nahezu alle Kanäle dank Erdogans demokratischer Einparteienkanaldoktrin die Übertragung zeigten und sozusagen Wahlkampf pur betrieben, wurden andere Liveübertragungen von Parteien mit ebensovielen wenn nicht sogar mehr Zuschauern weder live in den Nachrichtenkanälen übertragen -wie es bei der AKP gemacht wird- noch gibt es in etlichen Blättern die gleichen großen Schlagzeilen. Demokratie?

Schon witzig, wie die Auffassung der Islamisten von Demokratie ist, aber gut, nachdem Edogan der türksichen Identität vollkommens den Kampf angesagt hat und die Arabisierung im Sinne von religiösem Fanatismus vorantreibt hat beispsielsweise die nationalistische MHP gestern ein großes Meeting abgehalten. Tausende Anhänger lauschtem ihrem Führer zu, keine Liveübertragung wie bei der AKP, keine zwei Klassengesellschaft in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich mache hier sicherlich keine Wahlkampfwerbung der MHP, bei der CHP ist es nicht anders, deren Meetings laufen genauso ab. Die Menschen vor der Röhre bekommen quasi garnicht mit, dass andere Parteien ebenso große Meetings abhalten, sie hören nur das Geschwalle des Kalifen Erdogan.

Noch witziger wird es was in Adana geschehen ist. Sehen sie sich dieses Bild an.

Anhänger haben Barcodekennzeichnungen

Anhänger haben Barcodekennzeichnungen

Wie auf dem Bild zu erkennen sind das Eintrittskarten, darauf ist ein AKP Symbol zu sehen, für die nicht türkisch könnenden Leser:Dort steht, dass am 06.10.2013 in Adana das AKP Meeting stattfindet, „unser Präsident ist in Adana“. Darunter steht, dass diese Karte von der AKP Adana Verwaltung ausgestellt wurde, Stadtteil Seyhan. Es ist also davon auszugehen dass alle AKP-Verwaltungen der verschiedenen Stadtteile den Bürgern oder Parteiangehörigen der Stadt Eintrittskarten zugesendet hat. Die Barcodes haben verschiedene Nummern, also gibt es Zuordnungen. Die Eintrittskarten wurden von türkischen Bürgern aufgesammelt, nachdem sie weggeworfen wurden. Die AKP registriert am Eingang des Wahlkampfplatzes die Menschen anhand des Barcodes. Was ist also mit den Menschen, die die Eintrittskarten erhalten haben, aber nicht teilnahmen…..wird werden das bestimmt noch herauskriegen.

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