AKP torpediert türkischen Fußball mit Schlägertrupps

AKP-Jugendführer bei den Ausschreitungen dabei gewesen, bewaffnet mit einem Messer

AKP-Jugendführer bei den Ausschreitungen dabei gewesen, bewaffnet mit einem Messer

Es ist bezeichnend was die AKP alles so unternimmt, um Opposition und allgemein andersdenkende Menschen so zu unterdrücken, damit man an der Macht ungehindert seinen Mist weiter führen kann. Nun, das Derby zwischen Galatasaray und Besiktas ging wohl nach hinten los, denn erste Details sickern durch. Doch was war passiert?

Nach einer roten Karte für Felipe Melo (Galatasaray) tobt die Besiktastribüne und nachdem dieser beim Verlassen des Spielfelds auf dem Weg zur Tribüne noch das Gala-Trikot in die Höhe reißt, überschlagen sich die Ereignisse…..diese Berichterstattung kennt bis hierher jeder. Gehen wir mal in die Tiefe der Materie.

Die von der AKP als Gegenbewegung ins Leben gerufene Kartal 1453 Gruppe (Adler 1453) soll als Gegengewicht zur „Carsi-Gruppe“ gelten. Die Besiktasfanatiker Carsi sind auch diejenigen, die in den Protesten gegen das AKP-Regime auf dem Taksimplatz und bis heute nicht nur anfeuern sondern maßgeblich mitgestalten.

Dass seit dem Beginn der Liga in nahezu jedem Fußballspiel am Wochenende Tausende Fans von der Tribüne aus in die türkischen Wohnzimmer, Teestuben oder öffentliche Übertragungsplätze Anti-AKP-Sprechchöre ertönen, muss bei Erdogan Tobsuchtsanfälle auslösen und zwar am laufenden Band. Denn nicht nur Besiktas-Fans protestieren, es ist auch der Fußballclub Fenerbahce oder Izmirs Fußballcub Karsiyaka und ein paar weitere…das heißt Protestslogans am laufenden Band und die AKP hat damit ein riesen Problem….also mit der Meinungsfreiheit. Dass bewegt auch den Pay TV-Sender Digiturk dazu, bei Sprechchören dieser Art die Lautstärke einfach herunterzufahren, in der Hoffnung, der Zuschauer vor dem Schirm hört die Proteste nicht. Wer die Anweisung gegeben hat? Man muss nicht raten.

Was tut man also gegen eine Bevölkerung, die sich mit dem Mundwerk gegen eine Regierung zur Wehr setzt, so wie es sich in einer Demokratie gehört? Richtig, man torpediert sie mit gekauften Schlägertrupps, Polizeiwillkür oder provozierten Ausschreitungen. Damit eine türkische Protestbewegung dem AKP-Bürger und die, die es noch werden könnten, als potentiell gewalttätig, im überwiegend von der AKP dominierten Medienlandschaft aufgetischt wird. Die türkische Bevölkerung schaut überwiegend Fernsehen, dass ist ein Pluspunkt für Erdogan. Doch ettliche Minspunkte für den rachesüchtigen Erdogan sind Pläne, die ständig nach hinten los gehen.

Bleiben wir beim Derby zwischen Gala und Besiktas vom vergagnenen Wochenende. Wie kann es sein, dass in einem Derby über 5000 Karten „verschenkt“ wurden? Jeder Fußballfan weiß, wie schwer es ist überhaupt an Karten für Derbys zu kommen. Auch ist zu vermerken, dass die erste Reihe (also am Spielfeldrand) von den AKP Kartal 1453ern besetzt war. Die Carsi-Gruppe, also die richtigen Besiktasfans, die Erdogan mit Dreck bewerfen wollte, war in den Zuschauerrängen oben angesiedelt, die konnten garnicht auf das Spielfeld stürmen, ohne dass die 1453er vorher schon aufs Spielfeld gestürmt waren. Und wie kann es sein, dass die von den Medien vielzitierten 65 Festnahmen, alle wieder freigelassen wurden? Weil darunter kein Carsi-Anhänger waren.

Umso auffälliger ist, dass die AKP-Medien von den 1453er garnichts berichteteten, sondern von bösen Besiktas-Fans, der Fußball also an sich sei mit gewalttätigen Hooligans besetzt. Erdogans Plan den türksichen Fußball zu torpedieren und somit die Gezi-Bewegung als latent gewaltbereit zu diffarmieren schien aufzugehen, wäre ein Tag später nicht das eingetreten, was nach Erdowahns Plänen immer passiert. Bild und Videomaterial tauchen auf und landen in sozialen Netzwerken. Menschen twittern ihre Erlebnisse und halbwegs funktionierende regierungskritische Zeitungen tun ihr übriges. Aber es kommt noch besser.

Zum Beispiel Facebooknachrichten und Fotos vom Vorstandsvorsitzenden der AKP-Jugend Ismail Er, wie er sich rühmt, als 1453er ganz vorne gesessen zu haben und bei den Ausschreitungen aufs SPielfeld mit seinen Kameraden gestürmt zu sein, einen Stuhl auf Sicherheitskräfte geworfen zu haben und über ausreichend freie Eintrittskarten verfügte. Ein Kollege bestätigt ihn noch, dass die Carsi-Gruppe garnicht wusste wie ihr geschah, als die 1453er aufs Spielfeld rannten. (Siehe Screenshot bzw. Titelbild mit Pfeilmarkierungen). Die gewalttätigen „Besiktas-Fans“ waren also von der AKP eingeladene 1453 Adler, die zur Diskreditierung der Carsi-Gruppe ins Leben gerufen wurde.

Dass ist aber immer  noch nicht alles, das Wallstreet Journal hat in seiner letzten Ausgabe einen interessanten Artikel herausgebracht, in der steht, dass die AKP über 6000 geschulte Internetaktivisten in die sozialen Netzwerke einsickern lässt, um die „Ideen und Interessen der AKP zu verbreiten“. Unter anderem Diskussionen bzw. Unterhaltungen mit AKP-Propaganda zu torpedieren. Mit welchem Geld Aktvisten der AKP im Internet oder auf der Straße finanziert werden kann sich jeder selbst denken, es zeigt glas klar, dass die AKP ein extremes Problem mit der Meinungsfreiheit hat und keine Kosten und Intrigen scheut, diese zu unterdrücken, mit dem amüsanten Nebeneffekt, dass es nie klappt.

Bezeichnend wie oft vor allem die Jugendorganisation der AKP (Ak-genclik) bei Ausschreitungen bzw. Gewaltakten vor allem gegen Protestierer aufgeflogen sind. Das Fußballspiel ist nur ein Beispiel. In den Taksim-Protesten hatten Tausende Jugendanhänger am Istanbuler Flughafen Erdogan zugegröhlt, dass er den Befehl zum Niederwalzen der Protestler geben solle. Dutzende Videos von Jugendlichen mit Brechstangen und Messern, die Jagd auf Demosntranten machen sind im Netz.

Das Ziel der AKP ist, wie man im Fußballspiel letztens sehen konnte, die Protestbewegung massiv einzuschüchtern, auch wenn der Plan medial ständig in die Hose geht, die Drohkulisse wird neben der Straße auch über das Internet aufgabaut….dass macht auch ein Regime aus, dass sich demokratisch schimpft, es aber nicht ist. Türkische Bürger berichten über Anfeindungen in den sozialen Netzwerken. Ähnliche Berichte und Erfahrungen gelten auch für in Deutschland lebende Türken, die sich kritisch in sozialen öffentlichen Netzwerken äußern. Unter anderem wird angedroht, man würde die Behörden anschwärzen, der nächste Besuch in der Türkei würde im Gefängnis enden. So weit hat es die AKP schon gebracht.

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